Frauenrechte im Fokus: Sefra e.V. über Gewalt, Selbstbestimmung und Prävention

30. März 2026
Written By courbannature

Foto: Hanna Dude beim Nachbereiten des Interviews im Rahmen der Ausstellung „Frauen und Freier“.

Im Gespräch vom 29. März 2026 mit Frau Giovanna Camertoni (Sefra e.V.) ging es um das nordische Modell, Gewalt in der Prostitution, patriachale Schönheitsideale und warum Prävantion und Aufklärung entscheidend sind.

Frauen, die etwas verändern: Im Gespräch mit Sefra

Kann ein Gesetz gesellschaftliche Einstellungen verändern? Nach Ansicht von Sefra lautet die Antwort eindeutig: Ja. Im Interview mit StarkeFrauenVorbilder erklärt Frau Camertoni von Sefra e.V., warum in Sachen Prostitution das sogenannte nordische Modell nicht die Frauen bestraft, sondern die Nachfrage um Sexdienstleistungen und Bordellen reduziert – und weshalb dies weitreichende Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Blick auf Frauen haben kann.

„Es geht nicht um Sex – es geht um Macht“

Während in Deutschland der Kauf sexueller Dienstleistungen legal ist, verfolgt das nordische Modell einen anderen Ansatz. Dort werden nicht die prostituierten Frauen kriminalisiert, sondern die Männer, die Sex kaufen.
Laut Sefra hat diese gesetzliche Veränderung auch die gesellschaftliche Kultur beeinflusst.
„In Deutschland empfinden manche junge Männer den Besuch einer Prostituierten als etwas Cooles. In Schweden ist das nach Einführung des nordischen Modells genau umgekehrt. Dort gilt es heute als gesellschaftlich nicht akzeptiert.“
Die Botschaft dahinter sei klar: Gesetze setzen gesellschaftliche Normen und beeinflussen langfristig Werte und Verhalten.

Besonders alarmierend sind laut Camertoni Aussagen von Freiern, die in Studien und Interviews dokumentiert wurden.
Viele beschrieben demnach, dass sie durch die Bezahlung das Gefühl hätten, über den Körper der Frau vollständig verfügen zu können.
„Ich bezahle – also kann ich mit dieser Frau machen, was ich will.“
Für Camertoni zeigt sich darin ein grundlegendes Machtgefälle. Es gehe nicht allein um Sexualität, sondern um Kontrolle und Dominanz.

Gewalt gehört für viele Frauen zur Realität der Prostitution

Sefra verweist auf internationale Studien, die zeigen, dass Frauen in der Prostitution besonders häufig Gewalt erleben.
Zu den dokumentierten Erfahrungen gehören unter anderem:

  • körperliche Gewalt
  • Bedrohungen mit Waffen
  • sexuelle Übergriffe
  • Vergewaltigungen
    Nach Angaben, auf die sich Sefra im Interview bezieht, berichten 83 Prozent der Frauen von körperlicher Gewalt und 61 Prozent von Vergewaltigungen während ihrer Zeit in der Prostitution.
    Diese Zahlen machen deutlich, warum Sefra den Begriff der „freiwilligen Sexarbeit“ kritisch sieht.

Zustimmung zum Geld ist keine Zustimmung zum Sex

Ein zentraler Punkt des Interviews ist die Frage nach dem Konsens.
Camertoni betont:
Frauen sagen häufig Ja zum Geld – nicht zum Sex.
Viele Betroffene lebten in Armut, hätten Suchterkrankungen, Gewalterfahrungen oder andere existenzielle Notlagen. Die finanzielle Not lasse ihnen oftmals keine echte Wahl.
Aus dieser Perspektive könne von freiwilliger Zustimmung nicht gesprochen werden.

Nur wenige Betroffene erstatten Anzeige

Besonders erschütternd sei laut Sefra, dass nur ein sehr kleiner Teil der Gewalterfahrungen überhaupt angezeigt werde.
Nach den im Interview genannten Zahlen meldeten lediglich etwa ein Prozent der betroffenen Frauen Gewalttaten bei der Polizei.
Die Dunkelziffer dürfte entsprechend deutlich höher liegen.

Ein milliardenschweres Geschäft

Camertoni weist außerdem darauf hin, dass Prostitution enorme wirtschaftliche Interessen bedient.
„Mit Prostitution wird mehr Geld verdient als mit Drogen.“
Wo große Gewinne erzielt würden, gebe es zwangsläufig Akteure, die wirtschaftlich von diesem System profitieren.
Deshalb brauche es politische Entscheidungen, die Frauen besser schützen.

Starke Frauen stärken Frauen: Sefra e.V. über Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Wandel

Im weiteren Gespräch zieht Camertoni eine Verbindung zwischen Prostitution, Pornografie und dem wachsenden Markt für Schönheitsoperationen.
Aus ihrer Sicht gehe es in allen Bereichen um die Kommerzialisierung weiblicher Körper.
Besonders kritisch sieht sie Eingriffe an gesunden Frauen.
„Wir sprechen über gesunde Körper.“
Medizin solle Menschen dabei helfen, gesund zu werden – nicht gesunde Körper an gesellschaftliche Schönheitsideale anzupassen.

Wer profitiert von Schönheitsidealen?

Nach Ansicht von Sefra existiert ein milliardenschwerer Markt rund um Schönheitsoperationen und Beauty-Produkte.
Diese Industrie verdiene daran, dass Frauen das Gefühl vermittelt werde, sie müssten einem bestimmten Ideal entsprechen.
Dabei seien viele dieser Ideale historisch patriarchal geprägt und würden heute zusätzlich über Pornografie und soziale Medien verstärkt.

Prävention beginnt mit Selbstwertgefühl

Wie können Kinder und Jugendliche davor geschützt werden?
Für Sefra beginnt Prävention bereits mit einer einfachen Botschaft:
„Dein Körper ist gesund. Du bist schön, wie du bist.“
Kinder und Jugendliche müssten lernen, ihren eigenen Körper wertzuschätzen, statt sich ständig mit unrealistischen Vorbildern zu vergleichen.
Schulen, Eltern und Gesellschaft trügen dabei gemeinsam Verantwortung.

Politik trägt Verantwortung

Frau Camertoni von Sefra e.V. betont außerdem, dass auch die Darstellung von Frauen in Medien keine zufällige Entwicklung sei.
Welche Körperbilder gezeigt werden und welche Schönheitsideale gesellschaftlich dominieren, seien letztlich politische und gesellschaftliche Entscheidungen.
Gleichzeitig müsse die Politik überlegen, wie insbesondere junge Frauen vor unnötigen, invasiven Schönheitsoperationen geschützt werden können.

Wie kann man Sefra unterstützen?

Wer sich für Frauenrechte engagieren möchte, kann sich laut Sefra ehrenamtlich einbringen.
Die Organisation bietet unter anderem:

  • Präventionsarbeit an Schulen
  • Informationsstände
  • ehrenamtliches Engagement
  • Aufklärungsarbeit rund um Gewalt gegen Frauen und Prostitution

Interessierte können sich direkt bei Sefra melden und in einem persönlichen Gespräch erfahren, welche Möglichkeiten der Mitarbeit bestehen.

Fazit

Das Interview macht deutlich, dass Sefra e.V. Prostitution nicht isoliert betrachtet. Für die Organisation hängen Prostitution, Gewalt gegen Frauen, Pornografie, Schönheitsideale und wirtschaftliche Interessen eng zusammen.
Unabhängig davon, wie die politische Debatte geführt wird, zeigt das Gespräch vor allem eines: Prävention, Bildung und die Stärkung des Selbstwertgefühls junger Menschen sind zentrale Bausteine, um Frauen und Mädchen langfristig besser zu schützen.

Jetzt ehrenamtlich engagieren!
SEFRA e.V. (Selbsthilfe- und Beratungszentrum für Frauen), Notruf und Beratung für Frauen | Kontaktaufnahme über: https://www.sefraev.de/ehrenamtliche-mitarbeit/

Redaktioneller Hinweis:

Die im Beitrag genannten Zahlen und Einschätzungen geben die Aussagen der Interviewpartnerin wieder. In Deutschland werden die Themen Prostitution, das nordische Modell und der Begriff der Freiwilligkeit kontrovers diskutiert. Unterschiedliche wissenschaftliche Studien und Fachverbände kommen teilweise zu unterschiedlichen Bewertungen. Dies sollte bei der Einordnung berücksichtigt werden.

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