Foodsharing als gelebte Verantwortung
Foodsharing ist eine Initiative, bei der überschüssige Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet werden. Prinzipiell gilt hierbei folgende Regel: Lebensmittel, die verteilt werden, müssen einwandfrei, verzehrbar und genießbar sein. Unter anderem sind Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder Backwaren, die im Laufe des Tages nicht verkauft wurden, dabei.
Überall in Deutschland engagieren sich Freiwillige für Foodsharing. In Kleinostheim gibt es mehrere Ansprechpersonen und im Raum Aschaffenburg engagieren sich rund 160 Foodsaver*innen.
Stärke zeigt sich im Tun
„Ich fühle mich geehrt, dass man mich als starkes Frauenvorbild wahrnimmt. Aber ich fühle mich nicht als Vorbild, ich fühle mich auch nicht als starke Frau.“ Sätze wie diese zeigen, wie bodenständig das Engagement vieler Foodsaver*innen (Lebensmittelretter*innen) ist. Es geht nicht um Selbstinszenierung, sondern um eine praktische Idee, die gleich mehreren Herausforderungen auf einmal ins Auge sieht: Lebensmittelverschwendung, Nachhaltigkeit und dabei ganz nebenbei auch den eigenen Alltag bereichert.
Was sind die Aufgaben einer Foodsaver*in? Sie holt Lebensmittel bei Betrieben wie beispielsweise Supermärkten, Bäckereien oder Tankstellen ab und verteilt sie weiter – an andere Engagierte oder direkt an Menschen, die sie nutzen können. Ziel ist es, Lebensmittel zu wertschätzen und Ressourcen zu schonen.
Was sind die Vorteile von Foodsharing? Foodsharing bringt ganz konkrete Lösungen im Alltag: „Ich habe einfach jede Menge Vorteile mit Foodsharing, ich muss zum Beispiel weniger einkaufen. Ich brauche eigentlich kein Brot, Obst und Gemüse mehr einkaufen.“ Dass dies den Geldbeutel entlastet, sieht die Kleinostheimer Foodsaverin Heike Geis als angenehmen Nebeneffekt. Am Telefon erzählt sie mir, was für sie am Foodsharing im Mittelpunkt steht: Der Umweltgedanke, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung seien Gründe, warum sie voll hinter Foodsharing stehe. Außerdem betrachte sie es ganz klar als es eine Win-Win-Win-Situation. Denn sowohl die Betriebe, als auch die Foodsaver*innen, sowie die Empfänger*innen profitieren. Foodsharing sei für Heike Geis „wie ein Hobby und vielleicht ein kleines Ehrenamt“. Dieses Engagement trägt sie auch in die Schule: Wenn sie in die zweiten Klassen geht, stellt sie dort die Idee hinter Foodsharing vor und sensibilisiert Kinder früh für den Wert von Lebensmitteln.
Was muss man noch wissen? Foodsaverin Lisa aus Kleinostheim betont, dass Foodsharing aber keineswegs bequem sei. „Foodsharing ist echte Arbeit und aufwendig. Du musst zu den Zeiten, wo es sich andere zuhause kuschelig machen, raus“, sagt Lisa. Gerade diese Verlässlichkeit sei jedoch entscheidend. Mit dem Abholen geretteter Lebensmittel ist es aber nicht getan. Foodsaver*innen müssen die Lebensmittel zügig verteilen und gegebenenfalls am selben Abend verarbeiten. Häufig sind es große Mengen, die bei den Betrieben bereit stehen. Wenn dies die eigene Kapazität übersteigt, gibt es eine Lösung. Foodsaver*innen können die geretteten Lebensmittel bei sozialen Einrichtungen abgeben. Zu den Abgabestellen zählen die Unbezahlbar in Kleinostheim oder die Bahnhofsmission.
Natürlich müssen Foodsaver*innen gewisse Hygienestandards einhalten. Außerdem darf die Kühlkette für die geretteten Lebensmittel nicht unterbrochen werden.
Wo gerettetes Essen Menschen zusammenbringt
Wie organisieren sich die einzelnen Foodsaver*innen? Zunächst organisiert sich jede*r Lebensmittelrettende selbst, indem sie beispielsweise eigene Leute in eine Gruppe einlädt.
Was ist das Besondere an Foodsharing? Die soziale Komponente spielt für beide Frauen eine große Rolle. Das Schöne für Heike Geis am Foodsharing ist, dass sie regelmäßig auf ihrem Hof Freunde trifft, die gerettetes Essen abholen. Aus der Lebensmittelrettung entstehen Begegnungen, Gespräche und Gemeinschaft.
Lisa erlebt den sozialen Aspekt vor allem, indem sie die Lebensmittel weitergibt. Sie hat oft Abholungen, wo sie das gerettete Essen verteilt, zum Beispiel an die Angestellte in dem Kindergarten oder auf der Arbeit. Gerettetes Essen findet so ganz konkret seinen Weg zu Menschen, die es gut gebrauchen können.
Auch uns bringt Lisa eine ganze Kiste voll mit leckeren süßen Teilen und knusprigem Laugengebäck mit. Kurze Zeit später verabreden wir uns zu einem Brunch. Mit köstlichen, vorm Wegwerfen geretteten Brötchen.
Wie werde ich Foodsaver?
Der Einstieg ist klar geregelt. Du meldest dich an, machst eine Prüfung und brauchst eine Hygieneschulung, die du jedes Jahr aktuell halten musst.
Bei Neulingen folgen daraufhin praktische Schritte. Zunächst musst du drei Einführungsabholungen in verschiedenen Betrieben begleiten und danach bist du offiziell Foodsaver*in, bekommst einen Ausweis und kannst dich somit in Betriebe eintragen. Manche Betriebe haben viele Backwaren, andere mehr Obst und Gemüse, wieder andere Kühlware oder von allem ein bisschen. „Du kannst selber entscheiden, was für dich Sinn macht.“, berichtet Lisa. Auf der Internetseite von Foodsharing e.V. loggst du dich als Foodsaver*in ein und kannst dich für einen festgelegten Abholslot eintragen. Leute die noch keinen großen Verteilerkreis haben, wählen beispielsweise besser Slots, die für zwei Leute vorgesehen sind. „Foodsaver helfen sich gegenseitig.“, sagt Lisa. „In der Regel weißt du aber ungefähr welche Mengen dich erwarten.“ Sie fügt uns in ihre Verteilergruppe hinzu. Und wir freuen uns, dass auch wir in Zukunft mehr verwenden als verschwenden!
Fazit: Foodsharing zeigt, dass Engagement nicht laut sein muss, um etwas zu bewirken. Es lebt von Menschen wie Heike und Lisa, die Verantwortung übernehmen – pragmatisch, ehrlich und mit dem Blick auf das große Ganze.
Mehr erfahren: https://foodsharing.de/region/aschaffenburg